Wie ist die konjunkturelle Lage in Deutschland?
Deutschland befindet sich 2025 in einer schwierigen konjunkturellen Lage und ist in den letzten beiden Jahren in eine Rezession gerutscht. Einige Wirtschaftsinstitute sehen jedoch ein mögliches Ende der Krise der deutschen Wirtschaft, nennenswert wachsen soll das BIP aber erst im Jahr 2026. Allerdings gibt es nicht nur positive Signale. Die wichtigsten Konjunkturindikatoren im Überblick:
► Wirtschaftsleistung stagniert im dritten Quartal 2025
Im dritten Quartal 2025 stagnierte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (bereinigt) im Vergleich zum zweiten Quartal (Nullwachstum).
► BIP-Prognosen für 2026 zwischen Stagnation und kleinem Plus
Die aktuellen Prognosen (aus Juni oder Juli) sehen Wachstumsraten zwischen 0,8 Prozent und 1,5 Prozent für das beginnende Jahr 2026. In den letzten beiden Jahren gab es in Deutschland eine Rezession, d. h. das BIP in Deutschland sank im Vergleich zum Vorjahr.
► Erwartungen für die nächsten Monate verhalten optimistisch
Der ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich bis einschließlich August 2025 sechsmal in Folge, zuletzt trübte sich die Aussicht etwas ein und der Index sank im November und Dezember. Die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate zeigten sich ebenfalls pessimistischer, die Beurteilung der aktuellen Lage ist in den vergangenen Monaten zumindest stabil geblieben. Der Index der ZEW-Konjunkturerwartung hat sich nach dem starken Einbruch im April erholt, die Entwicklung bleibt aber volatil und unberechenbar.
► Bilanz der Auftragseingänge im zweiten Halbjahr verbessert
Die Auftragseingänge in der Industrie zogen zuletzt wieder etwas an und deuten auf eine mögliche Konjunkturbelebung hin. Unternehmen reagieren unter Umständen mit einer gesteigerten Produktion, was Auswirkungen auf Beschäftigung, Investitionen und Umsätze haben kann. Die Signale sind jedoch derzeit noch zu schwach, um von einer Trendwende sprechen zu können.
► Produktion in der Industrie steigt
Die Industrie-Produktion ist nach dem starken Einbruch im August im September insgesamt wieder gestiegen. Mit Blick auf die Produktion im produzierenden Gewerbe nach Branchen sendeten die Industrie-Produktion und der Energiesektor positive Signale, das Baugewerbe hingegen schwächelte und die Produktion verringerte sich zuletzt.
► Vorsichtige Entspannung am Arbeitsmarkt
Die monatliche Arbeitslosenquote notierte im Jahr 2025 stets bei mehr als sechs Prozent, sank zuletzt aber auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2024. Dennoch erreichten die Jahres-Arbeitslosenquote und die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt zehnjährige Höchststände. Die Entwicklung bei der Zahl der Erwerbstätigen kam im zweiten Quartal 2025 zum Stillstand, womit sich die Negativentwicklung der letzten Jahre fortsetzte. Die Zahl der Arbeitnehmer:innen in Deutschland steigt zwar weiterhin, wenngleich nur marginal, der seit Jahren zu beobachtende Rückgang bei den Selbstständigen kann jedoch insgesamt nicht kompensiert werden.
► Die Inflation hat sich zuletzt stabilisiert, die Reallöhne legen zu
Der Anstieg der Reallöhne könnte zu höheren privaten Konsumausgaben führen.
In der Folge geringerer Inflationsraten könnte es zudem zu Zinssenkungen kommen, was wiederum die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verbessern und somit Investitionen wahrscheinlicher machen würde.
► GfK-Konsumklima sendet zuletzt gemischte Signale – auf pessimistischem Niveau
Trotz leicht positiver Konjunkturerwartungen haben sich die Indikatoren für die Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung deutlich verschlechtert, und die Sparneigung ist sprunghaft angestiegen. Insgesamt zeigt das GfK-Konsumklima zu Beginn des Jahres 2026 eine deutlich verschlechterte Verbraucherstimmung.
Deutsche Wirtschaft in unruhigem Fahrwasser
Die Probleme, mit denen die deutsche Wirtschaft kämpft, bleiben auch 2026 vielfältig. Außenwirtschaftlich belastet primär die erratische Zollpolitik von US-Präsident Trump die Konjunkturaussichten. Wer, wann und in welcher Höhe von Strafzöllen aus dem Weißen Haus betroffen sein könnte, ist selbst für Handelsexpter:innen derzeit unmöglich vorauszusehen. Die mangelnde Planungssicherheit ist aber Gift für das Investitionsklima.
Deutschland ist grundsätzlich als exportorientierte Volkswirtschaft besonders von der allgemeinen weltwirtschaftlichen Schwäche der letzten Jahre betroffen, welche unter anderem durch die Folgen des Krieges in der Ukraine und anderer geopolitischer Spannungen ausgelöst oder verstärkt wurden. Gleichzeitig ist die Binnennachfrage schwach, da Unternehmen, auch aufgrund der wirtschaftspolitischen Unwägbarkeiten, nur zurückhaltend investieren. Zudem müssen die deutschen Unternehmen den Umbau hin zu einer CO₂-neutralen Wirtschaft bewältigen und sich an die Folgen des demografischen Wandels anpassen. Der fundamentale Shift auf dem Arbeitsmarkt durch den Boom in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz ist noch gar nicht abzusehen. Entwicklungen in hoch digitalisierten Staaten lassen jedoch massive Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt und folgend den Sozialkosten und der Binnennachfrage wahrscheinlich erscheinen. Die erhöhte Produktivität, die sich Unternehmen von der Anwendung KI-basierter Tools versprechen, wird verzögert, nachdem die Kosten abgeschrieben sind.
Im letzten Jahr 2024 führten bereits Teile dieser Aspekte dazu, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 0,5 Prozent gesunken ist. Schon im Vorjahr ging die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent zurück; dass die Wirtschaft in Deutschland zwei Jahre in Folge schrumpfte, kam zuletzt vor über 20 Jahren vor.
Einige Wirtschaftsforschungsinstitute wie auch staatliche Stellen berücksichtigen die genannten Aspekte beim Blick auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und erstellen regelmäßig Konjunkturprognosen.
Hintergrund: Wie kann die Konjunktur bewertet werden?
Mit dem Begriff Konjunktur ist die zyklische Entwicklung der Wirtschaft gemeint, also der Wechsel zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Perioden. Die Konjunkturentwicklung lässt sich mit diversen Indikatoren messen; von zentraler Bedeutung ist dabei das Bruttoinlandsprodukt (BIP), d. h. der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb einer Volkswirtschaft hergestellt werden und dem Endverbrauch dienen.
Zur Einschätzung und Beurteilung der konjunkturellen Lage in Deutschland können verschiedene Konjunkturindikatoren herangezogen werden. Diese werden in Deutschland von verschiedenen Institutionen erhoben und veröffentlicht; sowohl von staatlichen Stellen als auch von Wirtschaftsforschungsinstituten und Marktforschungsunternehmen. Die Indikatoren werden häufig in kurzen Abständen erhoben, meist monatlich oder quartalsweise, und werden in den Medien und an den Börsen viel beachtet. Die Indikatoren können unterschieden werden in Frühindikatoren, die die künftige Lage vorausdeuten, Präsenzindikatoren, die die gegenwärtige Situation abbilden und Spätindikatoren, die die konjunkturelle Entwicklung mit Verzögerung nachvollziehen. Ferner kann zwischen realwirtschaftlichen Kennzahlen wie dem Bruttoinlandsprodukt und Ergebnissen aus Befragungen von Unternehmen, Verbrauchern oder Wirtschaftsexperten unterschieden werden. Diese werden in der Regel nach unterschiedlichen Kriterien gewichtet und indexiert, um Vergleiche zwischen verschiedenen Zeitpunkten herstellen zu können.
In unserem Report zur Konjunktur in Deutschland sind eine Reihe von relevanten Statistiken zum Thema zusammengestellt. Unser Statistik-Report liefert eine Analyse der aktuellen konjunkturellen Lage der deutschen Volkswirtschaft.






























































